„Ich möchte Psychologie studieren – aber welche Hochschule soll ich wählen?“ Das ist eine der Fragen, die mich über mein Kontaktformular am häufigsten erreichen. Und ich verstehe sie so gut. Wer sich einmal durch die Angebote geklickt hat, weiß: Der Markt der Fernhochschulen ist groß, die Versprechen klingen alle verlockend, und auf den ersten Blick unterscheiden sich die Anbieter kaum. Dabei macht die Wahl der richtigen Hochschule einen riesigen Unterschied – finanziell, inhaltlich und für die eigene Karriere.
Als jemand, der selbst berufsbegleitend Psychologie studiert und dabei Erfahrungen an verschiedenen Hochschulen gesammelt hat, möchte ich dir in diesem Artikel einen Überblick über verschiedene Optionen geben. Bevor wir einsteigen: Wenn du noch am Anfang stehst und dich fragst, ob ein berufsbegleitendes Psychologiestudium grundsätzlich das Richtige für dich ist, lies zuerst meinen Erfahrungsbericht dazu. Den Rest hier macht dann viel mehr Sinn.
Was du vor dem Vergleich wissen musst
Ein Fernstudium Psychologie ist nicht gleich ein Fernstudium Psychologie. Das klingt banal, ist es aber nicht. Es gibt mindestens drei grundlegende Unterschiede, über die du dir im Klaren sein solltest, bevor du irgendeinen Anbieter in Betracht ziehst:
- Staatliche vs. private Hochschule: Staatliche Hochschulen – wie die FernUni Hagen – erheben keine Studiengebühren im klassischen Sinne. Private Anbieter kosten in der Regel zwischen 10.000 und 20.000 Euro für einen Bachelor. Das ist ein riesiger Unterschied.
- Universität vs. Fachhochschule: Universitäten sind stärker wissenschaftlich ausgerichtet. Fachhochschulen legen mehr Gewicht auf die Praxis. Für Promotion oder akademische Laufbahn ist der Universitätsabschluss oft entscheidend.
- Approbationskonform oder nicht: Wenn dein Ziel langfristig die Approbation als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut ist, musst du darauf achten, dass dein Studiengang approbationskonform ist. Nicht alle Anbieter erfüllen diese Voraussetzung – was später zum Problem werden kann. Ich habe das Thema Berufsfelder und Approbation in einem eigenen Artikel ausführlich erklärt. Darüber hinaus kann ich dir außerdem dieses Buch sehr ans Herz legen*, wenn du dich über verschiedene Berufsmöglichkeiten informieren möchtest.
- Vollzeit oder Teilzeitstudium: Die meisten Fernstudierenden studieren neben dem Beruf im Teilzeitstudium. Wie flexibel das jeweilige Modell ist, unterscheidet sich stark zwischen den Anbietern.
Mit diesen drei Punkten im Hinterkopf schauen wir uns gleich die wichtigsten Anbieter an. Vorab jedoch kurz ein kleiner Exkurz zum Thema Approbation.
Wichtig seit 2020: Was bedeutet approbationskonform?
Seit der Reform des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) am 1. September 2020 hat sich der Weg zur Approbation grundlegend verändert. Wer heute als Psychologische Psychotherapeutin oder Psychologischer Psychotherapeut arbeiten möchte, braucht einen Bachelorstudiengang, der bestimmte Anforderungen erfüllt – unter anderem in Bezug auf Studieninhalte, ECTS-Punkte und Praxisanteile.
Was das konkret bedeutet: Nicht jeder Bachelor Psychologie im Fernstudium erfüllt automatisch diese Voraussetzungen. Studiengangsbezeichnungen wie „Angewandte Psychologie“ oder „Wirtschaftspsychologie“ sind in der Regel nicht approbationskonform – auch wenn sie gut und solide sind.
Meine Empfehlung: Wenn die Approbation dein langfristiges Ziel ist, prüfe vor der Einschreibung, ob der konkrete Studiengang die Zugangsvoraussetzungen für den Masterstudiengang mit integrierter Approbation erfüllt. Bei privaten Anbietern sollte man das individuell abklären und sich die Antwort schriftlich geben lassen.
Fernstudium Psychologie: Alle Anbieter auf einen Blick
Hier die wichtigsten Kennzahlen der vier großen Anbieter im direkten Vergleich – Abschluss, ECTS-Punkte, Gesamtkosten und ob ein Vollzeit- und Teilzeitstudium möglich ist:
| Anbieter | Abschluss | ECTS-Punkte | Gesamtkosten (ca.) | Approbationskonform |
| FernUni Hagen | B.Sc. | 180 ECTS | ca. 2.200 EUR | Unter Umständen möglich |
| IU Internationale Hochschule | B.Sc. | 180 ECTS | 15.000-19.000 EUR | Vor Einschreibung prüfen |
| SRH Fernhochschule | B.Sc. | 180 ECTS | ab 16.000 EUR | Vor Einschreibung prüfen |
| Hochschule Fresenius | B.Sc. | 180 ECTS | auf Anfrage | Vor Einschreibung prüfen |
Hinweis: Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 2026. Studiengebühren und Studiengangsbedingungen ändern sich regelmäßig – prüfe die aktuellen Angaben direkt auf den Hochschulwebseiten.
FernUniversität in Hagen – die staatliche Lösung
Die FernUniversität in Hagen ist die einzige staatliche Fernuniversität Deutschlands – und für viele deshalb die erste Wahl. Ich selbst habe dort studiert, bevor ich an eine Präsenzuni gewechselt bin, und kann aus eigener Erfahrung berichten.
Was für die FernUni spricht: Der Preis ist unschlagbar. Der Bachelor Psychologie kostet insgesamt ca. 2.200 Euro – das sind im Wesentlichen die Semesterbeiträge und Materialkosten, keine klassischen Studiengebühren. Dazu kommt das akademische Renommee: Als echte Universität hat die FernUni einen anderen Status als private Fachhochschulen. Wer später promovieren möchte, ist hier richtig.
Was gegen die FernUni sprechen kann: Die Betreuung ist spärlich. Du studierst größtenteils alleine, mit Skripten, die manchmal eher an wissenschaftliche Abhandlungen als an Lernmaterial erinnern. Der Lernrhythmus ist weniger strukturiert, was einerseits Freiheit bedeutet, andererseits viel Selbstdisziplin erfordert. Und: Die Studiendauer ist variabel – zwischen 6 und 12 Semestern – was für manche motivierend, für andere demotivierend ist.
Mein Fazit zur FernUni: Wer finanziell sparen möchte, einen wissenschaftlich anspruchsvollen Abschluss sucht und mit wenig Betreuung auskommt, ist hier goldrichtig. Wer mehr Struktur und persönliche Begleitung braucht, wird sich möglicherweise allein gelassen fühlen.
IU Internationale Hochschule – modern, flexibel, teurer
Die IU Internationale Hochschule ist die größte private Fernhochschule Deutschlands und in den letzten Jahren massiv gewachsen. Sie bietet mehrere psychologiebezogene Studiengänge an: klassische Psychologie (B.Sc.), aber auch Wirtschaftspsychologie, Kommunikationspsychologie und Gesundheitspsychologie.
Was für die IU spricht: Der Online-Campus ist modern und gut durchdacht. Klausuren können online geschrieben werden, was Reiseaufwand spart. Es gibt keinen NC und keinen festen Studienstart – du kannst monatlich einsteigen. Das ist besonders praktisch, wenn du spontan starten möchtest. Außerdem gibt es eine vergleichsweise aktive Community und recht viele Lernmaterialien.
Was gegen die IU sprechen kann: Die Kosten. Der Bachelor Psychologie kostet je nach Studiendauer zwischen 15.000 und knapp 20.000 Euro. Das ist ein erheblicher Faktor. Außerdem ist die IU eine Fachhochschule – der Abschluss ist zwar staatlich anerkannt, aber nicht identisch mit einem Universitätsabschluss. Wer später promovieren möchte, sollte das im Blick behalten. Und: Die IU ist bekannt für aggressives Marketing, was die Erwartungen manchmal höher schraubt als die Realität.
Mein Fazit zur IU: Eine solide Option für alle, die Flexibilität und einen modernen Studienalltag schätzen und sich das leisten können oder leisten wollen. Für denjenigen, der auf jeden Euro achten muss, ist es schwer, die Mehrkosten gegenüber der FernUni zu rechtfertigen.
SRH Fernhochschule – strukturiert und teuer
Die SRH Fernhochschule (früher: Mobile University) hat sich einen guten Ruf für ihre strukturierte Lernmethode erarbeitet. Das sogenannte CORE-Prinzip (Competence Oriented Research and Education) setzt auf kürzere, intensivere Lernphasen statt langer Semester.
Was für die SRH spricht: Der Studienaufbau ist besonders klar strukturiert – das schätzen viele Berufstätige, die klare Rahmenbedingungen brauchen. Die Betreuung ist laut Rückmeldungen aus der Community überdurchschnittlich gut.
Was gegen die SRH sprechen kann: Sie ist die teuerste Option in diesem Vergleich. Dazu kommt, dass das CORE-Prinzip nicht für jeden geeignet ist – wer lieber in seinem eigenen Tempo lernt, kann sich durch die kompakten Blöcke eingeengt fühlen.
Mein Fazit zur SRH: Interessant für alle, die klare Strukturen brauchen und bereit sind, dafür (deutlich) mehr zu bezahlen. Wer auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis angewiesen ist, wird anderswo besser bedient.
Hochschule Fresenius – Fokus auf Psychologie und Gesundheit
Die Hochschule Fresenius ist eine der ältesten privaten Fachhochschulen Deutschlands und hat traditionell einen Schwerpunkt auf Gesundheits- und Naturwissenschaften – zu denen auch Psychologie gehört. Das Fernstudium Psychologie wird hier ebenfalls angeboten.
Was für Fresenius spricht: Der inhaltliche Fokus auf klinische und gesundheitsbezogene Psychologie ist für viele attraktiv, die in diesem Bereich arbeiten möchten. Die Hochschule hat einen guten Ruf im Gesundheitsbereich.
Was gegen Fresenius sprechen kann: Auch hier sind die Kosten erheblich. Die Studienunterlagen sind manchmal nicht im Preis inbegriffen, was ein versteckter Kostenfaktor sein kann – das sollte man unbedingt vorab klären. Die Community ist kleiner als bei IU oder FernUni.
Mein Fazit zu Fresenius: Eine solide Wahl, wenn du gezielt im Gesundheitsbereich arbeiten möchtest und die Kosten kein KO-Kriterium sind. Für einen allgemeinen Einstieg ins Psychologiestudium gibt es günstigere Alternativen.
Kurzer Überblick: Die wichtigsten Kennzahlen
Hier noch einmal das Wesentliche auf einen Blick – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber als erste Orientierung:
- FernUni Hagen: staatlich, ca. 2.200 € gesamt, wissenschaftlicher Anspruch, wenig Betreuung, Promotionsmöglichkeit
- IU Internationale Hochschule: privat, ca. 15.000–19.000 €, moderner Online-Campus, sehr flexibel, Fachhochschulabschluss
- SRH Fernhochschule: privat, teuerster Anbieter, strukturiertes CORE-Prinzip, gute Betreuung, Fachhochschulabschluss
- Hochschule Fresenius: privat, Fokus auf Gesundheitspsychologie, guter Ruf im Gesundheitsbereich, Zusatzkosten prüfen
Welcher Anbieter passt zu mir?
Diese Frage ist leider nicht pauschal zu beantworten – dafür sind die individuellen Situationen zu unterschiedlich. Aber ich kann dir ein paar Leitfragen mitgeben, die mir bei meiner eigenen Entscheidung geholfen haben:
- Was ist mein Budget? Wer knapp kalkulieren muss, kommt an der FernUni kaum vorbei.
- Wie viel Struktur brauche ich? Wer sich selbst gut organisiert, kommt mit der FernUni gut zurecht. Wer mehr Begleitung braucht, ist bei IU oder SRH besser aufgehoben.
- Was ist mein Karriereziel? Approbation und Promotion erfordern andere Grundlagen als eine Tätigkeit im Coaching oder in der Personalentwicklung.
- Habe ich Vorleistungen, die anerkannt werden können? Manche Hochschulen – etwa die IU – erkennen Berufserfahrung oder Vorleistungen an und reduzieren so die Studiendauer und die Kosten. Das lohnt sich zu prüfen.
Wenn du unsicher bist und am liebsten mit jemandem darüber sprechen möchtest, was zu deiner Situation passt: Genau dafür bin ich da. In meinem Coaching-Angebot begleite ich Menschen dabei, die richtigen Entscheidungen für ihr Studium zu treffen und die nötige Struktur und Motivation aufzubauen, um auch dranzubleiben.
Was ich rückblickend empfehlen würde
Ich habe selbst an der FernUni Hagen angefangen und bin dann an eine Präsenzuni gewechselt. Meine Erfahrung: Die FernUni hat einen unschlagbaren Preis und einen echten akademischen Anspruch. Aber sie ist nichts für Menschen, die regelmäßige externe Motivation brauchen oder sich von der Einsamkeit des Fernstudiums schnell entmutigen lassen.
Wenn ich heute neu entscheiden würde, ohne finanzielle Einschränkungen: Ich würde immer noch zur FernUni tendieren – aus Überzeugung. Wer allerdings mehr Begleitung und einen modernen digitalen Lernalltag schätzt und das Budget hat, findet bei der IU eine gute Alternative.
Ein letzter Hinweis: Lass dich nicht von Vergleichsportalen oder Affiliate-Rankings verwirren, die jeden Anbieter als Testsieger bezeichnen. Schau dir statt dessen die offiziellen Webseiten an, fordere Infomaterial an, und – wenn möglich – sprich mit echten Studierenden. Das gibt dir ein realistischeres Bild als jede Hochglanzbroschüre.
Fazit: Der richtige Anbieter ist der, der zu dir passt
Das Fernstudium Psychologie ist ein langer Weg. Welche Hochschule du wählst, prägt diesen Weg maßgeblich – finanziell, inhaltlich und emotional. Deshalb lohnt es sich, diese Entscheidung nicht unter Zeitdruck und nicht auf Basis von Werbung zu treffen.
Wenn du gerade an diesem Punkt stehst und weißt, dass du Psychologie per Fernstudium studieren möchtest, aber noch unsicher bist, welcher Weg zu dir passt: Schreib mir gerne in die Kommentare oder nimm direkt Kontakt auf. Ich freue mich immer über den Austausch. Und wenn du keinen neuen Beitrag verpassen möchtest, trag dich gerne in meinen Newsletter ein.
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