Wenn du überlegst, Psychologie an der FernUni Hagen zu studieren, hast du wahrscheinlich schon gegoogelt, was dich erwartet. Und du bist auf so einige Infos gestoßen: viele Erfahrungsberichte (meinen findest du übrigens hier: FernUni Hagen: Ein Erfahrungsbericht) , viele allgemeine Hinweise – aber so ganz weißt du noch nicht, was in den einzelnen Modulen drinsteckt? Was lernst du in M1 konkret? Warum haben so viele Leute Panik vor M2? Und warum reden eigentlich alle über M6b?
Erstmal: Wie ist das Studium überhaupt aufgebaut?
Der Psychologie-Bachelor an der FernUni Hagen umfasst 180 ECTS-Punkte und ist in drei Studienabschnitte unterteilt, die du der Reihe nach durchlaufen musst. Das ist kein Zufall. Du kannst nicht mit den Anwendungsmodulen beginnen, bevor du die Grundlagen abgeschlossen hast. Die sogenannten Modulschranken erzwingen eine Reihenfolge, die für das Verständnis obligatorisch ist.
Die Struktur sieht so aus:
1. Studienabschnitt – Einführung (30 ECTS)
- M1: Einführung in die Psychologie, ihre Methoden und Techniken wissenschaftlichen Arbeitens (15 ECTS)
- M2: Statistik (15 ECTS)
2. Studienabschnitt – Grundlagen und Forschungspraxis (95 ECTS)
- M3a: Allgemeine Psychologie I – Kognition (10 ECTS)
- M3b: Biologische Psychologie und Allgemeine Psychologie II – Lernen, Motivation, Emotion (10 ECTS)
- M4: Sozialpsychologie (15 ECTS)
- M5: Entwicklungspsychologie (15 ECTS)
- M6a: Test- und Fragebogenkonstruktion (10 ECTS)
- M6b: Empirisch-experimentelles Praktikum (10 ECTS)
- M7: Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik (15 ECTS)
3. Studienabschnitt – Anwendung, Wahlbereich: 3 aus 4 (45 ECTS)
- AF A: Arbeits- und Organisationspsychologie
- AF B: Bildungspsychologie
- AF C: Community Psychology
- AF G: Gesundheitspsychologie
Dazu kommen Versuchspersonenstunden (1 ECTS), zwei verpflichtende Präsenzveranstaltungen, ein berufsorientiertes Praktikum (7 ECTS) und die Bachelorarbeit (12 ECTS).
Klingt nach viel? Ist es auch. Realistisch betrachtet sind das bei Teilzeit – also einem Modul pro Semester – rund zwölf Semester, bevor man zum Praktikum und zur Abschlussarbeit kommt. Wer schneller sein will, kann zwei Module parallel belegen, sollte dabei aber ehrlich mit sich sein, was neben Job und Familie wirklich machbar ist.
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M1 – Einführung in die Psychologie (15 ECTS)
M1 ist offiziell das Einstiegsmodul. Inoffiziell ist es das Modul, an dem die FernUni merkt – und du merkst –, ob du wirklich weitergemacht hättest, wenn es eine Aufnahmeprüfung gäbe.
Inhaltlich geht es hier nicht um tiefe Psychologie-Theorie, sondern um das Handwerkszeug wissenschaftlichen Arbeitens: Was ist eine Hypothese? Wie funktioniert empirische Forschung? Wie lese ich eine Studie? Wie zitiere ich richtig? Dazu kommen erste Einblicke in die Geschichte der Psychologie und ihre Grundbegriffe.
Das klingt nach trockenem Einstieg – und ist es ein bisschen. Aber unterschätze M1 nicht. Die Klausur ist berüchtigt dafür, Detailwissen abzufragen, das du beim ersten Lesen für unwichtig hältst. Jahreszahlen, Autoren, feine Begriffsdifferenzen. Wer M1 bestehen will, muss wirklich in die Tiefe gehen und darf sich nicht darauf verlassen, das Prinzip verstanden zu haben.
Mein ehrlicher Tipp: Fang früh an. Nicht vier Wochen vor der Klausur, sondern von Semesteranfang an. Und arbeite Altklausuren konsequent durch – die sind bei M1 das wichtigste Lernwerkzeug. Weitere Tipps darüber, was in den Klausuren auf dich zukommt, bekommst du in diesem Artikel: FernUni Hagen Psychologie Klausuren: Was erwartet dich wirklich?
M2 – Statistik (15 ECTS)
M2 ist das Modul, das mehr Menschen vom Psychologiestudium abschreckt als jedes andere. Nicht weil es unmöglich wäre, sondern weil viele, die sich für Psychologie interessieren, nicht damit rechnen, dass ausgerechnet Statistik so viel Raum einnimmt. Tatsächlich ist das Grundstudium Psychologie aber sehr methodenlastig. Das, was die meisten Studierenden spannend finden, die klinische Psychologie oder Entwicklungspsychologie zum Beispiel, bekommt tatsächlich viel weniger Credit Points im Bachelor.
Was lernst du konkret? Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung, deskriptive und inferenzstatistische Verfahren, Hypothesentests, t-Tests, Varianzanalysen, Korrelation und Regression.
Das Pflichtlehrbuch – Sedlmeier & Renkewitz – ist wissenschaftlich solide, aber für viele schwer zugänglich. Viele Studierende berichten, dass sie erst durch ergänzende Ressourcen wirklich verstanden haben, was drin steht. Achtung: Es folgt ein Affiliate-Link. Das bedeutet, dass ich eine kleine Provision bekomme, wenn du über den Link etwas kaufst. Für dich ändert sich dadurch jedoch nichts! Das Buch „Keine Panik vor Statistik!“ von Oestreich und Romberg hat mir dabei geholfen, die Grundlagen in einer Sprache zu verstehen, die sich anfühlt wie ein Gespräch und nicht wie ein Lehrsatz. Zusätzlich habe ich mir damals einen privaten Nachhilfelehrer genommen, der mir dabei geholfen hat, in Statistik durchzublicken.
Was hier wirklich hilft: Nicht auswendig lernen, sondern verstehen. Das beschreibe ich auch ausführlicher in diesem Artikel hier. Wer die Logik hinter einem t-Test wirklich begriffen hat, kann auch eine abweichend formulierte Klausurfrage beantworten. Wer nur Formeln gepaukt hat, scheitert bei der ersten Variation.
Der zweite Studienabschnitt: Jetzt wird es Psychologie
Wenn du M1 und M2 hinter dir hast, beginnt das, was sich für die meisten Studierenden wie das eigentliche Studium anfühlt. Und ja – hier ist es inhaltlich spannender. Aber leichter ist es deshalb nicht automatisch.
M3a – Allgemeine Psychologie I: Kognition (10 ECTS)
Hier geht es darum, wie wir wahrnehmen, denken, erinnern und entscheiden. Wahrnehmungspsychologie, Aufmerksamkeit, Gedächtnismodelle, Sprache, Problemlösen, Urteilen und Entscheiden – das sind die zentralen Themen.
Für viele ist M3a das erste Modul, bei dem sie denken: Genau dafür habe ich angefangen. Die Inhalte sind faszinierend, weil sie direkt auf das eigene Erleben Bezug nehmen. Warum vergessen wir manche Dinge sofort und andere nie? Wie entstehen kognitive Verzerrungen? Was passiert in unserem Kopf, wenn wir eine Entscheidung treffen?
Der Umfang ist mit 10 ECTS zwar kleiner als M1 oder M2, täuscht aber nicht über den Stoff hinweg. Die Klausur prüft Präzision: Ähnliche Konzepte müssen klar voneinander unterschieden werden können.
M3b – Biologische Psychologie und Allgemeine Psychologie II: Lernen, Motivation, Emotion (10 ECTS)
M3b ist das Pendant zu M3a – und für viele das unerwartete Modul. Biologische Psychologie bedeutet: Neuroanatomie, Neurophysiologie, Hormonsysteme, Genetik und Verhalten. Du lernst, wie das Gehirn aufgebaut ist, wie Neurotransmitter wirken und was das mit Emotion und Motivation zu tun hat.
Das zweite Thema des Moduls – Lernen, Motivation, Emotion – ist dann wieder zugänglicher: klassische und operante Konditionierung, Lerntheorien, Motivationsmodelle und Emotionstheorien.
Was viele überrascht: Der biologische Teil ist deutlich anspruchsvoller als erwartet, weil er Grundkenntnisse in Biologie voraussetzt, die nicht alle mitbringen. Wer hier Zeit für Nacharbeit einplant, tut sich einen Gefallen.
M4 – Sozialpsychologie (15 ECTS)
Sozialpsychologie ist für viele das Herzstück des Studiums – und zugleich eines der umfangreicheren Module mit 15 ECTS. Warum verhalten sich Menschen in Gruppen anders als allein? Wie entstehen Vorurteile? Was steckt hinter Konformität, Gehorsam und sozialem Einfluss?
Du lernst klassische Experimente der Psychologie kennen – Milgram, Asch, Zimbardo – und verstehst, warum ihre Ergebnisse bis heute relevant sind. Dazu kommen Themen wie Einstellungen und Einstellungsänderung, Aggression, prosoziales Verhalten, Gruppenphänomene und Intergruppenbeziehungen.
M4 ist inhaltlich eines der reichhaltigsten Module des Studiums. Es ist auch eines derjenigen, bei denen Studierende am häufigsten berichten, dass der Stoff im echten Leben sofort sichtbar wird – im Büro, in der Familie, in der Zeitung.
M5 – Entwicklungspsychologie (15 ECTS)
Entwicklungspsychologie beinhaltet Fragen wie: Wie verändert sich der Mensch über die Lebensspanne? Von der Säuglingskognition über die Entwicklung von Sprache, sozialem Denken und Identität bis hin zu Veränderungen im Erwachsenenalter und im Alter.
Wer Kinder hat oder in pädagogischen Berufen arbeitet, findet hier oft die unmittelbarsten Anknüpfungspunkte an die eigene Lebenserfahrung. Piagets Stufenmodell, Bindungstheorie nach Ainsworth, Eriksons Entwicklungsphasen – vieles, wovon man schon gehört hat, wird hier theoretisch fundiert und kritisch hinterfragt. Ich persönlich fand das Modul unfassbar spannend, vor allem, weil ich zu dem Zeitpunkt, zu dem ich es absolviert habe, bereits selbst mit meinem Sohn schwanger war.
M5 ist inhaltlich zugänglich, aber vom Umfang her nicht zu unterschätzen. Wer 15 ECTS hört, sollte sich den damit verbundenen Lernaufwand bewusst machen.
M6a – Test- und Fragebogenkonstruktion (10 ECTS)
M6a ist methodisch. Tja – mit M2 ist leider nicht alles, was mit Methodenlehre zu tun hat, abgehakt. Es geht darum, wie psychologische Messinstrumente entwickelt und bewertet werden: Was macht einen guten Test aus? Was bedeutet Reliabilität, Validität, Objektivität? Wie konstruiert man einen Fragebogen, der misst, was er messen soll?
Das klingt trocken – ist es aber weniger, als man denkt. Denn hinter jedem IQ-Test, jedem Persönlichkeitsfragebogen, jeder Studie, die du in M1 gelernt hast zu lesen, steckt genau das: methodisches Handwerk. M6a legt das Fundament dafür, psychologische Forschung wirklich einschätzen zu können und letztendlich auch eigene Forschung durchführen zu können, zum Beispiel in deiner Abschlussarbeit.
M6b – Empirisch-experimentelles Praktikum (10 ECTS)
M6b ist das Modul, das sich von allen anderen grundlegend unterscheidet. Statt einer Klausur schreibst du hier eine Hausarbeit: Du planst eine eigene empirische Untersuchung, führst sie durch, wertest sie aus und schreibst einen wissenschaftlichen Bericht darüber.
Das bedeutet: Du brauchst Versuchspersonen, ein Design, ein Auswertungskonzept und die Fähigkeit, deine Ergebnisse in wissenschaftlicher Sprache zu formulieren. Wer bis dahin nie eine Hausarbeit auf Universitätsniveau geschrieben hat, steht hier vor einer echten Lernkurve.
Wichtig zu wissen: M6b setzt voraus, dass du fünf der speziellen Versuchspersonenstunden bereits im ersten Studienabschnitt absolviert hast. Plane die VPH also von Anfang an mit ein.
M7 – Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik (15 ECTS)
Differentielle Psychologie fragt: Warum unterscheiden sich Menschen voneinander? Was macht Persönlichkeit aus, wie lässt sie sich messen, und wie stabil ist sie über die Lebensspanne?
Dazu kommt psychologische Diagnostik: Wie werden klinische oder berufliche Entscheidungen auf Basis psychologischer Messung getroffen? Welche Gütekriterien gelten für Diagnosen? Das Modul verbindet Theorie und Anwendung enger als viele andere.
Für alle, die später in der Diagnostik arbeiten möchten – ob klinisch, schulpsychologisch oder im HR-Bereich – ist M7 eines der relevantesten Module des gesamten Studiums.
Der dritte Studienabschnitt: Du wählst dein Feld
Im Anwendungsbereich wählst du drei der vier verfügbaren Module aus. Welches du weglässt, bleibt dir überlassen – aber es lohnt sich, die Entscheidung nicht zufällig zu treffen, da du dich bereits aufs spätere Berufsleben vorbereiten kannst. Um einen Einblick in verschiedene psychologische Berufsfelder zu bekommen, kann ich dir übrigens dieses Buch sehr empfehlen: Psychologie in Studium und Beruf: Welche Berufsfelder es zu entdecken gibt und was für eine erfüllte Karriere wichtig ist. (auch das ist übrigens wieder ein Affiliate-Link)
AF A – Arbeits- und Organisationspsychologie
Psychologie im Arbeitskontext: Wie entstehen Motivation und Zufriedenheit am Arbeitsplatz? Wie funktionieren Teams? Wie wirken Führung, Stress und Burnout? AF A ist für alle interessant, die im HR-Bereich tätig sind, Führungsaufgaben haben oder in Richtung Organisationsberatung denken.
AF B – Bildungspsychologie
Lernen, Lehren, Bildungssysteme – AF B richtet sich besonders an alle, die in pädagogischen Berufen tätig sind oder dorthin wollen. Schule, Hochschule, lebenslanges Lernen: Wie können Lernprozesse gefördert und Bildungsungleichheit verstanden werden?
AF C – Community Psychology
Community Psychology befasst sich mit psychologischen Fragen auf gesellschaftlicher Ebene: Wie entsteht psychisches Wohlbefinden in Gemeinschaften? Wie können marginalisierte Gruppen gestärkt werden? Wer in sozialen Einrichtungen, der öffentlichen Gesundheit oder der Sozialpolitik arbeitet, findet hier relevante Inhalte.
AF G – Gesundheitspsychologie
Was hält Menschen gesund, und was macht sie krank – jenseits rein körperlicher Faktoren? Stressbewältigung, Gesundheitsverhalten, Prävention, chronische Erkrankungen und das Verhältnis zwischen Körper und Psyche sind zentrale Themen. Für viele Berufstätige – besonders aus dem Gesundheitswesen – ist AF G das naheliegendste Wahlmodul.
Womit fängst du am besten an?
Die Modulschranken geben die grobe Reihenfolge vor – M1 und M2 zuerst, dann der Rest. Aber innerhalb der Studienabschnitte hast du Freiheit. Ein paar Überlegungen dazu:
M1 vor M2, oder gleichzeitig? Viele machen M1 und M2 gleichzeitig, weil beide Voraussetzung für den zweiten Abschnitt sind. Das ist machbar, aber sehr anspruchsvoll – besonders weil M2 (Statistik) eine eigene Lernkurve hat, die viel Aufmerksamkeit braucht. Wer unsicher ist, wie sich das Fernstudium anfühlt, ist gut beraten, erst mal mit einem Modul anzufangen. Andererseits ist es auch möglich, beide Module zu belegen und sich dann nur für eine Klausur anzumelden, wenn man merkt, dass es doch zu viel ist.
Im zweiten Abschnitt: M3a und M3b können parallel belegt werden. M4 und M5 lassen sich gut kombinieren, weil sie inhaltlich unterschiedlich sind. M6b erst angehen, wenn M6a abgeschlossen ist – und wenn die Versuchspersonenstunden erledigt sind.
Im Anwendungsbereich: Wähle Module, die zu deinem Berufsziel passen, nicht nur zu dem, was du am interessantesten findest. Beides kann sich überschneiden – aber wenn du später in eine bestimmte Richtung möchtest, lohnt es sich, das schon bei der Modulwahl zu berücksichtigen.
Ein ehrliches Wort zum Schluss
Das Studium an der FernUni Hagen ist gut aufgebaut – seriös, inhaltlich anspruchsvoll und für Berufstätige zugänglich. Aber es ist kein Selbstläufer. Die Modulschranken bedeuten, dass ein Durchfallen in M1 oder M2 den gesamten Studienfortschritt bremst. Und der Umfang der einzelnen Module – formal 450 Arbeitsstunden pro 15-ECTS-Modul – ist realistisch, nicht geschönt.
Was du mitnehmen kannst: Dieser Studiengang belohnt Menschen, die kontinuierlich und strukturiert lernen. Nicht die, die am härtesten arbeiten – sondern die, die am klügsten planen. Wer von Anfang an weiß, was in welchem Modul steckt und wie die Anforderungen aussehen, hat einen echten Vorteil gegenüber allen, die einfach mal anfangen und schauen, was passiert. Und wenn du Lust hast, das Psychologiestudium zu beginnen, jedoch noch nicht sicher bist, ob die Fernuni Hagen etwas für dich ist? Dann schau dir mal meinen Vergleich verschiedener Anbieter an: Fernstudium Psychologie: Welche Anbieter lohnen sich wirklich? Ich hoffe, du wirst die für dich richtige Wahl treffen! In diesem Artikel findest du einen umfassenden Überblick über das Studium – lies den, wenn du schon dabei bist, dich für das Studium zu entscheiden.
Du studierst gerade in Hagen oder planst es? Schreib mir in die Kommentare, welches Modul dich am meisten beschäftigt – ich freue mich über den Austausch.
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