Auch wenn du berufsbegleitend im Fernstudium bist, kommt irgendwann der Punkt, an dem das Wort „Praktikum“ in deinem Modulhandbuch auftaucht – und du fängst an zu rechnen. Wie soll das gehen, neben einem Vollzeitjob? Nimmst du Urlaub? Reduzierst du deine Stunden? Kündigst du sogar? Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich diese Frage monatelang vor mir hergeschoben habe, weil mir einfach keine Lösung einfallen wollte, die sich nicht nach einem riesigen Kompromiss anfühlte.
Das Praktikum ist für viele im berufsbegleitenden Psychologiestudium der größte organisatorische Brocken im ganzen Studium. Anders als bei Klausuren oder Hausarbeiten kannst du es nicht einfach abends nach der Arbeit oder am Wochenende erledigen. Du brauchst zusammenhängende Zeit, meistens mehrere Wochen am Stück, und das vermutlich während eines festen Arbeitsverhältnisses.
Deshalb in diesem Artikel: ein Überblick über die Möglichkeiten, die es tatsächlich gibt, und am Ende, ganz konkret, wie ich es selbst gelöst habe.
📖 Kennst du schon Mein Buch?
Psychologiestudium neben dem Beruf
Lernstrategien, Zeitmanagement & Motivation – alles, was du für den Abschluss brauchst. Kompakt & direkt anwendbar.
Jetzt auf Amazon ansehen →Wie viel Zeit brauchst du überhaupt?
Bevor du in die Planung gehst, lohnt sich ein Blick ins Modulhandbuch deiner Hochschule. Je nach Anbieter und Studiengang variiert der Praktikumsumfang spürbar, oft liegt er irgendwo zwischen 6 und 12 Wochen Vollzeit, manchmal aufgeteilt in mehrere kürzere Blöcke. Manche Hochschulen erlauben auch eine Umrechnung in Teilzeitstunden über einen längeren Zeitraum. Diese Eckdaten solltest du als Erstes klären, denn sie entscheiden, welche der folgenden Optionen für dich überhaupt infrage kommen.
Möglichkeit 1: Urlaub und unbezahlten Urlaub kombinieren
Die naheliegendste Lösung für viele: den Jahresurlaub für das Praktikum nutzen und die Lücke, die bleibt, mit unbezahltem Urlaub auffüllen. Das funktioniert gut, wenn dein Praktikumsumfang überschaubar und dein Arbeitgeber grundsätzlich offen für unbezahlten Urlaub ist – was nicht selbstverständlich ist, aber auch keine Seltenheit. Wenn dein Arbeitgeber mit einbezogen ist, vielleicht sogar dein Studium mitfinanziert, bist du natürlich im Vorteil. Das Gute an dieser Lösung: Dein Arbeitsverhältnis bleibt unangetastet, du musst nichts kündigen oder neu verhandeln. Der Nachteil: Finanziell tut es weh, vor allem wenn das Praktikum mehrere Wochen dauert und du in dieser Zeit kein Gehalt bekommst.
Möglichkeit 2: Teilzeit für einen begrenzten Zeitraum
Manche Arbeitgeber lassen sich darauf ein, die Arbeitszeit für einige Monate zu reduzieren, sodass an den freien Tagen das Praktikum stattfindet. Das setzt natürlich voraus, dass dein Job das überhaupt zulässt – bei manchen Tätigkeiten oder in manchen Branchen ist das deutlich einfacher umzusetzen als in anderen. Wenn es funktioniert, ist es finanziell oft die schonendste Variante, weil du wenigstens einen Teil deines Gehalts behältst und gleichzeitig im Job eingebunden bleibst.
Möglichkeit 3: Das Praktikum in den Job integrieren
Falls du bereits in einem Bereich arbeitest, der psychologienah ist oder werden könnte – etwa im Personalwesen, in der Beratung, im Gesundheitswesen oder im pädagogischen Bereich – lohnt sich ein Gespräch mit deiner Hochschule, ob sich Teile deiner aktuellen Tätigkeit als Praktikum anrechnen lassen. Das ist nicht überall möglich und hängt stark von den Anforderungen deines Studiengangs ab, aber wenn es klappt, sparst du dir die komplette Organisation eines separaten Praktikumsplatzes.
Möglichkeit 4: Sabbatical oder Bildungsurlaub
Einige Arbeitgeber bieten die Möglichkeit eines Sabbaticals an, oft über ein Ansparmodell, bei dem du über einen längeren Zeitraum Gehalt oder Urlaubstage ansparst, um sie dann am Stück zu nehmen. Auch Bildungsurlaub – je nach Bundesland unterschiedlich geregelt – kann unter Umständen für Teile des Praktikums genutzt werden, auch wenn der Umfang dafür meist nicht ausreicht und es eher eine Ergänzung als eine Komplettlösung ist. Es lohnt sich, frühzeitig bei der Personalabteilung nachzufragen, welche Modelle es in deinem Unternehmen gibt – viele wissen selbst nicht, was theoretisch möglich wäre, bis man konkret danach fragt.
Möglichkeit 5: Elternzeit nutzen
Wenn du ohnehin Elternzeit planst oder mittendrin bist, kann sich daraus eine überraschend praktikable Lösung ergeben. Das ist auch der Weg, für den ich mich letztlich entschieden habe – dazu gleich mehr.
Möglichkeit 6: Ehrenamtliche Tätigkeiten anerkennen lassen
An manchen Hochschulen lässt sich auch eine ehrenamtliche Tätigkeit ganz oder teilweise als Praktikum anerkennen – zum Beispiel bei der Telefonseelsorge. Das Schöne daran: Du musst dafür nicht wochenlang am Stück freinehmen, sondern bringst die Stunden wöchentlich unter, oft abends oder nachts, und kannst das Ganze über mehrere Semester strecken. Gerade neben einem Vollzeitjob kann das deutlich entspannter sein als ein klassischer Praktikumsblock. Wichtig ist nur: Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass dir solch eine Tätigkeit anerkannt wird, sondern hängt komplett von deiner Hochschule und den Vorgaben deines Studiengangs ab. Frag also unbedingt frühzeitig nach, ob und in welchem Umfang sich so etwas anrechnen lässt, bevor du dich verbindlich irgendwo engagierst.
Möglichkeit 6: Den Job wechseln oder kündigen
Die radikalste, aber manchmal auch ehrlichste Option: das Praktikum zum Anlass nehmen, beruflich ohnehin etwas zu verändern. Wenn du sowieso über einen Jobwechsel nachdenkst, kann es sinnvoll sein, die Kündigungsphase für das Praktikum zu nutzen und danach in eine neue Position zu starten. Das erfordert finanzielle Polster und etwas Mut, ist aber für manche der einzige realistische Weg, vor allem wenn der aktuelle Arbeitgeber wenig Flexibilität zeigt.
Wie habe ich es gemacht?
Ich habe das Praktikum direkt an die Elternzeit rangehängt. Mein Partner hat drei Monate Elternzeit genommen, und in genau dieser Zeit habe ich mein Praktikum gemacht.
Das hatte für uns mehrere Vorteile gleichzeitig. Die Kinderbetreuung war organisatorisch gelöst, ohne dass wir eine externe Lösung suchen mussten. Ich musste nicht parallel zum Praktikum noch einen Kitaplatz koordinieren oder mit einem schlechten Gewissen einen Fremdbetreuungsplatz für ein paar Wochen suchen, der dann sowieso nur eine Übergangslösung gewesen wäre. Und finanziell war es ebenfalls machbar, weil wir die Phase ohnehin als Familienzeit eingeplant hatten und nicht zusätzlich zum Praktikum noch mein reguläres Gehalt einkalkuliert haben.
War es stressfrei? Nein, ganz ehrlich nicht. Drei Monate Elternzeit mit Baby sind an sich schon ein Vollzeitprogramm, und dann kommt ein Vollzeitpraktikum oben drauf. Aber es war für uns die Lösung, die am wenigsten Kompromisse an anderer Stelle verlangt hat – kein unbezahlter Urlaub, kein Verhandeln mit dem Arbeitgeber, keine zusätzliche Betreuungslösung. Wenn du sowieso eine Elternzeitphase vor dir hast, lohnt es sich, frühzeitig mit deiner Hochschule zu klären, ob sich das Praktikum zeitlich genau in dieses Fenster legen lässt.
Am Ende gibt es nicht die eine richtige Lösung für das Praktikum im Fernstudium – nur die, die zu deiner aktuellen Lebenssituation passt. Schau dir in Ruhe an, welche der genannten Möglichkeiten für dich überhaupt infrage kommt, sprich frühzeitig mit deinem Arbeitgeber und deiner Hochschule, und plane lieber etwas mehr Puffer ein, als du denkst zu brauchen.
Newsletter
Keinen Artikel mehr verpassen!
Neue Beiträge, ehrliche Einblicke ins berufsbegleitende Studium – direkt in dein Postfach.
Jetzt anmelden →