Als ich mich zum ersten Mal ernsthaft mit dem Psychologiestudium beschäftigt habe, war ich überwältigt. Nicht unbedingt vom Inhalt, sondern vom Bewerbungsdschungel. NC, AdH, BaPsy, Wartesemester, Fernuni, Präsenzuni, Österreich, Niederlande… Ich hatte das Gefühl, erst einmal ein Studium über das Bürokratie-Wirrwarr abschließen zu müssen. Dabei ist es gar nicht so kompliziert, wenn man erst einmal verstanden hat, wie das System funktioniert. Genau das zeige ich dir in diesem Artikel.
Bevor du dich für ein Fernstudium oder Studium an einer Privatuni entscheidest, solltest du dir eine Frage klar beantworten: Möchtest du später als approbierte/r Psychotherapeut/in arbeiten? Wenn ja, schränkt das deine Studienwahl erheblich ein – denn viele Fernstudiengänge führen nicht zur Approbation. Was das konkret bedeutet und welche Wege zur eigenen Praxis es gibt, erkläre ich ausführlich in einem anderen Artikel.
Die verschiedenen Wege ins Psychologiestudium
Psychologie studieren bedeutet nicht automatisch Hörsaal, Semesterticket und WG in einer Universitätsstadt. Es gibt mehr Optionen, als die meisten vermuten:
- Präsenzuniversität – staatlich oder privat?
- Fernstudium – staatlich (Fernuni Hagen) oder privat?
- Vollzeitstudium oder berufsbegleitend?
- Studium im Ausland (Niederlande, Österreich)?
Ich habe selbst einige Semester an der Fernuni Hagen studiert, bevor ich mich für ein berufsbegleitendes Präsenzstudium entschieden habe. Meine persönliche Einschätzung: Es gibt kein objektiv besseres Modell – es gibt nur das Modell, das zu deinem Leben passt.
Die Bewerbung an einer staatlichen Präsenzuni
Psychologie ist an allen staatlichen Universitäten in Deutschland zulassungsbeschränkt. Es gibt keinen einzigen Standort, an dem du dich einfach einschreiben und loslegen kannst. Das bedeutet: Die Abiturnote spielt eine zentrale Rolle. Und sie allein reicht heute oft nicht mehr.
Früher galt: Wer nicht die nötige Note hatte, sammelte Wartesemester. Dieses Modell wird an immer mehr Unis abgeschafft oder stark eingeschränkt. Stattdessen hat sich etwas Neues etabliert, das viele Bewerber/innen noch gar nicht kennen: der BaPsy-DGPs.
| Tipp: Auch wenn du ein gutes Abitur hast, solltest du den BaPsy-DGPs nicht ignorieren. Er kann den entscheidenden Vorteil bringen oder fehlende Notenpunkte ausgleichen. |
BaPsy-DGPs: Der Studieneignungstest, der die Spielregeln verändert
Der BaPsy-DGPs (Studieneignungstest der Deutschen Gesellschaft für Psychologie) ist mittlerweile an vielen staatlichen Universitäten fester Bestandteil des Auswahlverfahrens. Und trotzdem wissen viele Bewerber/innen kaum, dass es ihn gibt.
Was ist das genau? Ein standardisierter Eignungstest, den die DGPs einmal jährlich im Mai durchführt – bundesweit, in Präsenz. Er dauert drei Stunden und prüft:
- Schlussfolgerndes Denken (verbal, figural, numerisch)
- Mathematische Fähigkeiten auf verschiedenen Niveaustufen
- Psychologieverständnis auf Deutsch und Englisch
Das Ergebnis wird als Prozentrang angegeben. Und dieser Prozentrang wird je nach Hochschule mit der Abiturnote verrechnet – als Bonuspunkte im Auswahlverfahren. Es folgt ein Affiliate-Link: Das offizielle Übungsbuch der DGPs zum BaPsy-DGPs deckt alle Testteile ab und verwendet originalgetreue Fachtexte, die dir gleichzeitig einen ersten Einblick ins Studium geben. Wer lieber auch unterwegs üben möchte: Die TestHelden-Vorbereitung 2026 (ebenfalls ein Affiliate-Link) kommt mit App und Online-Testtrainer – praktisch für alle, die das Lernen flexibel in den Alltag einbauen wollen.
Das Wichtigste zum BaPsy auf einen Blick:
- Testgebühr: 100 Euro
- Anmeldezeitraum: 15. Dezember bis 15. Februar (für das Wintersemester)
- Testtermin 2026: 30. und 31. Mai 2026
- Zertifikat ab: 15. Juni 2026
- Gültigkeit des Zertifikats: mindestens 5 Jahre
- Wiederholung: frühestens nach 22 Monaten möglich
- Keine Online-Teilnahme – ausschließlich in Präsenz
Meine klare Meinung: Den BaPsy sollte jede/r machen, der/die ernsthaft Psychologie studieren will – auch mit einem sehr guten Abitur. Denn an manchen Hochschulen (z.B. Uni des Saarlandes) spielt der Test in zwei von drei Zulassungsquoten eine entscheidende Rolle. Ohne Testergebnis bist du dort strukturell im Nachteil. Und: Null Punkte im BaPsy verschlechtern deinen Stand nicht – also gibt es kein Risiko.
NC-Werte: Was du bei Top-Universitäten brauchst
Die folgende Tabelle zeigt Orientierungswerte aus dem Wintersemester 2024/25. Wichtig: Der NC ist kein fester Wert – er hängt davon ab, wer sich bewirbt. An Unis, die den BaPsy berücksichtigen, verändert sich auch die effektive Zulassungsgrenze.
| Universität | NC Abiturbestenquote WS 24/25 | BaPsy berücksichtigt? |
| LMU München | 1,1 – 1,2 | Ja |
| Uni Heidelberg | 1,0 – 1,1 | Ja |
| FU Berlin | 1,1 – 1,3 | Ja |
| Uni Hamburg | 1,2 – 1,4 | Ja |
| Uni Tübingen | 1,1 – 1,3 | Ja |
| Uni Köln | 1,2 – 1,5 | Ja |
| Uni Frankfurt | 1,3 – 1,6 | Ja |
| Uni Münster | 1,4 – 1,7 | Ja |
| Uni Göttingen | 1,5 – 1,8 | Ja |
| Uni des Saarlandes | 1,6 – 2,0 | Ja (verpflichtend in 2 von 3 Quoten) |
Hinweis: NC-Werte sind Richtwerte auf Basis der Abiturbestenquote. In der AdH-Quote (Auswahlverfahren der Hochschule) können je nach BaPsy-Ergebnis auch Bewerber/innen mit schwächerer Abiturnote zugelassen werden. Aktuelle und vollständige Übersichten findest du auf studis-online.de und bei der DGPs.
Die Bewerbung an privaten Präsenzunis
Private Hochschulen haben meist keine NC-Beschränkung in dem Sinne. Dafür kosten sie – und das hat es in sich. Ein Bachelorabschluss schlägt typischerweise mit 23.000 bis 30.000 Euro zu Buche.
Das Auswahlverfahren an Privatunis funktioniert anders: Du wirst nicht nach Note gerankt, sondern nach Passung. Motivationsschreiben, Eignungstests, Bewerbungsgespräche – all das ist üblich. Das kann für manche ein echtes Ass im Ärmel sein: Wer gut erklären kann, warum er/sie Psychologie studieren will, hat hier bessere Karten als jemand, der einfach gute Noten hatte, aber nicht weiß, wohin damit.
| Wichtig: Prüfe immer, ob der Abschluss staatlich anerkannt ist und ob er für eine spätere Approbation als Psychotherapeut/in infrage kommt. |
Psychologiestudium an der Fernuni – die unterschätzte Option
Ich habe selbst an der Fernuni Hagen studiert – und ich sage das ohne jede Ironie: Es war eine der besten Entscheidungen für meine damalige Lebenssituation. Morgens Kundenanfragen, abends Statistik. Wenn mein Sohn im Bett ist, gehört der Schreibtisch mir.
Die Fernuni Hagen ist die einzige staatliche Fernuniversität in Deutschland, die Psychologie anbietet. Die Studiengebühren sind mit denen einer staatlichen Präsenzuni vergleichbar. Und das Schönste: Du brauchst keinen NC. Du schreibst dich ein und fängst an.
Das klingt zu gut? Es gibt einen Haken: Der Weg zur Psychotherapeut/in-Approbation ist über ein Fernstudium in der Regel ausgeschlossen. Wer das anstrebt, muss an eine staatliche Präsenzuni. Alle anderen – und das ist eine große Gruppe – können über das Fernstudium gehen.
Besonders empfehle ich das Fernstudium, wenn du Kinder hast, berufstätig bist oder flexibel bleiben musst. Du kannst dein Lerntempo selbst bestimmen und Module nach Kapazität wählen. Die Flexibilität ist dann mitunter der Faktor, der dich davor rettet, dein Studium irgendwann abbrechen zu müssen.
Psychologiestudium im Ausland – der NC-Umweg mit Plan
Viele, die am deutschen NC scheitern, weichen auf die Niederlande oder Österreich aus. Das kann eine kluge Entscheidung sein, wenn man es richtig angeht.
Niederlande:
- Deutsches Abitur wird anerkannt
- Viele englischsprachige Studiengänge verfügbar
- Zulassung über Motivationsschreiben + Eignungstest
- Englischnachweis erforderlich: TOEFL (80–100) oder IELTS (ab 6,5)
- Bewerbungsfrist: meist 15. Januar
Österreich:
- Deutsches Abitur wird direkt anerkannt
- Jährlicher Aufnahmetest im Sommer
- Anmeldung zum Test im Frühling
- Keine Notenbindung – wer den Test besteht, wird zugelassen
Mein ehrlicher Rat: Das Auslandsstudium ist kein „Plan B für Schlechte“. Es ist eine vollwertige Alternative für alle, die einen anderen Zugang zum Studium suchen. Aber prüfe vor der Entscheidung, ob und wie ein ausländischer Abschluss in Deutschland anerkannt wird – gerade wenn du langfristig Klient/innen in Deutschland betreuen willst.
Vollzeitstudium oder berufsbegleitend – was passt zu dir?
Das ist eine Frage, die ich mir sehr genau anschauen würde, bevor ich mich einschreibe. Denn die Aussage „ich studiere berufsbegleitend“ klingt einfacher, als sie ist.
An der Fernuni Hagen kannst du komplett selbst bestimmen, wie viele Module du pro Semester belegst. Wenn du an einer privaten Hochschule studierst, hast du oft eine feste Seminargruppe und einen vorgegebenen Stundenplan. Bei staatlichen Präsenzunis liegt es irgendwo dazwischen – du kannst theoretisch wählen, musst aber aufpassen, dass du inhaltlich keine Baustellen aufreißt. Gerade Statistik und Methodenlehre bauen stark aufeinander auf.
Mein Zweitstudium Psychologie – falls du das auch planst – bietet hier nochmal eine eigene Dynamik. Lies dazu: Zweitstudium Psychologie – so ergatterst du einen Studienplatz.
Was du wirklich brauchst – jenseits der Formalitäten
Viele denken, Psychologie zu studieren bedeutet: Menschen gut lesen können, Empathie haben, gerne zuhören. Das schadet nicht – aber es ist nicht das, was dich durch das Studium bringt.
Was ich dir sagen kann, aus eigener Erfahrung:
- Du brauchst Selbstdisziplin – vor allem im Fernstudium, wenn niemand außer dir darauf achtet, ob du lernst.
- Du brauchst Frustrationstoleranz bei Statistik. Die kommt, und sie ist knallhart. Aber sie ist lernbar.
- Du brauchst Organisationstalent. Je mehr du nebenbei jonglierst (Job, Familie, Studium), desto wichtiger wird dein System.
- Du brauchst kein Vorwissen in Biologie, Sozialwissenschaften oder Mathe. Viele Hochschulen bieten Vorbereitungskurse an – und aus eigener Erfahrung: Es geht auch ohne.
FAQ: Häufig gestellte Fragen
| ❓ Kann man Psychologie ohne Abitur studieren? |
| Ja, das ist möglich – aber nicht der Standardweg. In Deutschland kannst du über berufliche Qualifikationen einen Hochschulzugang ohne klassisches Abitur erlangen. Die genauen Regelungen variieren nach Bundesland. Einige Hochschulen akzeptieren auch das Fachabitur. Alternativ bieten manche private Hochschulen eigene Eignungsprüfungen an. Informiere dich direkt bei der Wunschhochschule über die aktuellen Möglichkeiten. |
| ❓ Was ist der BaPsy-DGPs und muss ich ihn machen? |
| Der BaPsy-DGPs ist der Studieneignungstest der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Er ist freiwillig, aber an fast allen staatlichen Universitäten Teil des Auswahlverfahrens. Er kostet 100 Euro, findet einmal jährlich im Mai statt und dauert 3 Stunden. Ein schlechtes Ergebnis verschlechtert deine Chancen nicht – ein gutes kann sie erheblich verbessern. Unsere Empfehlung: Immer mitmachen. |
| ❓ Kann man Psychologie per Fernstudium studieren? |
| Ja. Die staatliche Fernuni Hagen bietet Psychologie an – zulassungsfrei und zu vergleichbaren Gebühren wie Präsenzunis. Private Fernhochschulen sind eine weitere Option, aber teurer. Wichtig: Ein Fernstudium ermöglicht in der Regel keine Approbation als Psychotherapeut/in. Wer in die Klinische Psychologie und Psychotherapie will, braucht ein Präsenzstudium an einer staatlichen Uni. |
| ❓ Was ist der NC für Psychologie in Deutschland? |
| Der NC für Psychologie liegt an den meisten staatlichen Universitäten in der Abiturbestenquote zwischen 1,0 und 2,0 – je nach Standort und Bewerberlage. Durch die Berücksichtigung des BaPsy-DGPs verändert sich die effektive Zulassungsgrenze. An weniger nachgefragten Standorten sind auch Bewerber/innen mit höheren Abiturnoten erfolgreich. |
| ❓ Kann ich in den Niederlanden oder Österreich studieren, wenn mein NC nicht reicht? |
| Ja. In den Niederlanden erfolgt die Zulassung über Motivationsschreiben und Eignungstest – dein Abiturdurchschnitt ist weniger entscheidend. In Österreich gibt es einen jährlichen Aufnahmetest: Wer ihn besteht, wird zugelassen, unabhängig von der Note. In beiden Ländern wird das deutsche Abitur anerkannt. Prüfe vorab, ob und wie ein ausländischer Abschluss in Deutschland für deinen angestrebten Beruf anerkannt wird. |
Viele Wege führen nach Rom – also ins Studium
Es gibt nicht den einen richtigen Weg ins Psychologiestudium. Es gibt deinen Weg – und der hängt von deinen Zielen, deiner Lebenssituation und deinem Mut ab, ihn zu gehen.
Was ich dir mitgeben will: Lass dich nicht vom NC entmutigen. Wer den BaPsy kennt, hat einen Hebel mehr. Wer die Fernuni Hagen kennt, hat einen weiteren. Und wer weiß, dass ein Studium in den Niederlanden oder Österreich möglich ist, hat nochmal mehr Spielraum.
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