Ich saß am Küchentisch. Wieder mal. Die Lernunterlagen aufgeschlagen, der Laptop auf einem Stapel Bücher, weil ich irgendwann mal gelesen hatte, dass der Bildschirm „auf Augenhöhe“ sein soll. Nach anderthalb Stunden hatte ich nicht das Gefühl, viel gelernt zu haben — dafür aber ein Ziehen im Nacken, das bis in die Schulter reichte, und einen leisen Kopfschmerz, der sich wie ein ungebetener Gast breitmachte.
Ich habe das lange ignoriert. Klar, ich saß viel — Job am Schreibtisch, dann abends nochmal für das Studium. Aber dass mein Körper mir da eigentlich schon die ganze Zeit etwas gesagt hat, habe ich erst gemerkt, als die Verspannungen anfingen, mein Lernen selbst zu sabotieren. Man kann sich nämlich schlecht auf Statistik konzentrieren, wenn ständig der Nacken pocht.
Wenn du berufsbegleitend studierst, kennst du das wahrscheinlich: Du sitzt nicht nur für den Job, sondern danach auch noch für die Uni. Zwei Arbeitsplätze am selben Stuhl, quasi. Und genau deshalb lohnt es sich, sich den Körper beim Lernen mal genauer anzuschauen — nicht nur den Kopf.
Warum dein Körper beim Lernen mitredet
Wir denken beim Lernen oft nur ans Gehirn: Konzentration, Gedächtnis, Fokus. Aber Körper und kognitive Leistungsfähigkeit hängen enger zusammen, als es sich anfühlt. Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich schränken nachweislich die Durchblutung ein — und damit auch die Sauerstoffversorgung des Gehirns. Schmerzen sind zudem ein eigener Aufmerksamkeits-Fresser: Ein Teil deiner mentalen Kapazität geht schlicht dafür drauf, den unangenehmen Reiz im Rücken zu verarbeiten, statt sich auf den Lernstoff zu konzentrieren.
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung weist in ihren Empfehlungen zur Bildschirmarbeit ausdrücklich darauf hin, wie eng Sitzhaltung, Bewegungsmangel und muskuloskelettale Beschwerden zusammenhängen (DGUV). Das betrifft nicht nur Büroangestellte im Nine-to-five — sondern eben auch uns, die wir abends und am Wochenende noch eine zweite Runde am Schreibtisch drehen.
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1. Der Nacken, der alles mitträgt
Nach vorne geneigter Kopf, Blick nach unten aufs Tablet oder den Laptop-Bildschirm auf dem Küchentisch — das ist einer der größten Fehler, die ich selbst über Monate gemacht habe. Schon 15 Grad Neigung nach vorne verdreifachen ungefähr die Belastung auf die Nackenwirbelsäule.
Was hilft: Bildschirm auf Augenhöhe bringen. Ein einfacher Laptop-Ständer (Affiliate-Link) reicht oft schon aus, kombiniert mit einer externen Tastatur, damit du nicht in dich zusammensackst, um auf die eingebaute Tastatur zu kommen. Wenn du regelmäßig am Laptop lernst (nicht nur gelegentlich), ist das eine der günstigsten Investitionen, die ich kenne, gemessen am Effekt.
2. Der Rücken, der den ganzen Tag mitmacht
Wenn du wie ich tagsüber im Job schon sitzt und abends dann fürs Studium nochmal, kommen schnell acht, neun, zehn Stunden Sitzzeit zusammen. Dauerhaftes Sitzen in derselben Position ist dabei das eigentliche Problem — nicht das Sitzen an sich.
Was hilft: Nicht zwingend ein neuer, teurer Stuhl (auch wenn ein ergonomischer Bürostuhl mit Lordosenstütze (ebenfalls ein Affiliate-Link) einen spürbaren Unterschied macht). Viel wichtiger ist der Positionswechsel. Ich habe mir angewöhnt, jede Lerneinheit mit einer anderen Sitzposition zu starten — mal am Schreibtisch, mal im Stehen mit einem höhenverstellbaren Schreibtischaufsatz, mal für die Wiederholungsphase sogar im Gehen mit Kopfhörern und Audiodateien meiner Zusammenfassungen.
3. Die Augen, die den ganzen Abend fixiert bleiben
Was bei mir am längsten unentdeckt blieb: Die Kopfschmerzen kamen nicht (nur) vom Nacken, sondern auch von der Bildschirmarbeit selbst. Wenn du abends nach einem Bildschirm-Arbeitstag direkt weiter am Bildschirm lernst, bekommen deine Augen keine Pause — das führt zu Trockenheit, Anspannung und eben Kopfschmerzen.
Was hilft: Die 20-20-20-Regel — alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf etwas schauen, das 20 Fuß (circa 6 Meter) entfernt ist. Klingt banal, macht aber tatsächlich einen Unterschied, wenn man es konsequent macht. Für Abende, an denen es nicht anders geht, nutze ich zusätzlich eine (es folgt ein weiterer Affiliate-Link) Bildschirmbrille mit Blaulichtfilter — ob der Effekt wissenschaftlich vollständig belegt ist, darüber streiten sich Studien, aber meine Augen fühlen sich abends definitiv weniger ausgelaugt an.
Kleine Routine, große Wirkung
Ich habe mir mittlerweile eine Mini-Routine angewöhnt, die ich zwischen den Lernblöcken einschiebe — keine 20 Minuten, eher zwei bis drei:
- Schultern kreisen, bewusst nach hinten unten ziehen
- Nacken sanft zur Seite dehnen (beide Seiten)
- Aufstehen, ein paar Schritte gehen, Fenster öffnen
- Handgelenke kreisen und dehnen, gerade wenn viel getippt wird
Das ersetzt keine Bewegung im eigentlichen Sinne — dazu habe ich anderswo schon geschrieben, warum 20 Minuten Sport mehr bringen als eine Stunde am Schreibtisch. Aber als kurze Unterbrechung zwischen zwei Kapiteln reicht diese Mini-Routine, um den Körper daran zu erinnern, dass er auch noch da ist.
Wenn der Kopf mitzieht
Interessant fand ich, dass die körperliche Erschöpfung sich bei mir oft genau in den Momenten zeigte, in denen ich mental sowieso schon am Limit war — also bei dem, was ich in meinem Artikel über Ego Depletion beschrieben habe. Körperliche Anspannung und mentale Erschöpfung verstärken sich gegenseitig. Wer erschöpft ist, verspannt sich schneller — und wer verspannt ist, ermüdet mental schneller. Ein Teufelskreis, den man am besten an beiden Enden gleichzeitig angeht.
Und ganz ehrlich: Auch guter Schlaf spielt hier mit rein. Wenn der Nacken schon tagsüber schmerzt, schläfst du in der Regel schlechter — und schlechter Schlaf wiederum sorgt für mehr Verspannung am nächsten Tag. Falls du das Gefühl hast, dass bei dir eher der Schlaf das Problem ist, das dann auf den Körper durchschlägt, lohnt sich ein Blick in meinen Artikel zum Thema Schlafen als Lernstrategie.
Was ich mir gewünscht hätte, früher zu wissen
Ich habe viel zu lange gedacht, ein guter Arbeitsplatz sei „nice to have“ — etwas für Leute, die es sich leisten können, oder für die, die eh schon alles perfekt organisiert haben. Tatsächlich ist es eher das Gegenteil: Gerade wenn deine Zeit knapp ist, kannst du es dir am wenigsten leisten, dass dein Körper dir Lernzeit klaut, weil er schmerzt.
Wenn du gerade dabei bist, deinen Lernplatz neu einzurichten, findest du übrigens auch in meinem Guide zum Lernen im Fernstudium und im Artikel zum Home-Office-Setup ein paar Gedanken dazu, wie Umgebung und Produktivität zusammenhängen.
Kleiner Hinweis: Die verlinkten Produkte sind Beispiele für Dinge, die mir persönlich geholfen haben — bei manchen handelt es sich um Affiliate-Links. Das bedeutet, ich bekomme eine kleine Provision, wenn du darüber bestellst, ohne dass es dich mehr kostet. Kauf nur, was du wirklich brauchst — ein 100-Euro-Stuhl bringt nichts, wenn er in der Ecke verstaubt, während du weiter am Küchentisch sitzt.
Quellen: DGUV – Empfehlungen zur Bildschirmarbeit, BAuA – Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
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