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Fernstudium finanzieren: Alle Möglichkeiten im Überblick (und was wirklich funktioniert)

Bevor ich mein Fernstudium begonnen habe, habe ich lange vor der Kostenfrage gesessen. Nicht weil ich grundsätzlich kein Geld hatte — sondern weil ich nicht wusste, welche Möglichkeiten mir überhaupt offenstehen, wenn man mit Anfang dreißig, mit Job und ohne Eltern im Rücken studieren will.

BAföG? Dachte ich, das gilt nur für 19-Jährige. Arbeitgeber? Hab ich nie gefragt (hatte ich auch keinen). Steuern? Kein Plan. Ich habe damals einfach angefangen, die Studiengebühren selbst zu zahlen — und erst viel später gemerkt, wie viele Möglichkeiten ich gar nicht auf dem Schirm hatte.


Was kostet das Fernstudium überhaupt?

Bevor wir über Finanzierungsmöglichkeiten reden, müssen wir über Zahlen reden. Denn die Kosten variieren je nach Hochschule extrem — und das beeinflusst, wie viel du überhaupt finanzieren musst.

Die günstigste Option ist die FernUniversität Hagen als einzige staatliche Fernuniversität Deutschlands. Der gesamte Bachelor in Psychologie kostet dort bei Regelstudienzeit etwa 2.000 bis 2.700 Euro — verteilt auf Semesterbeiträge und Modulgebühren. Private Fernhochschulen wie die IU, die SRH Fernhochschule oder die Euro-FH liegen deutlich höher: zwischen 12.000 und 20.000 Euro für den gesamten Bachelor, monatlich also 200 bis 600 Euro.

Einen ausführlichen Vergleich aller Anbieter mit konkreten Zahlen findest du in meinem Artikel Was kostet ein Fernstudium in Psychologie? — dort habe ich alle aktuellen Gebühren in einer Tabelle zusammengefasst.

Wichtig: Rechne außerdem Nebenkosten ein. Fachbücher, ein neuer Laptop, Prüfungsreisen — das summiert sich auf mindestens 100 Euro pro Semester, eher mehr. Und wer Statistik fürchtet (zu Recht), sollte ggf. Nachhilfe einkalkulieren.

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1. BAföG: Geht das überhaupt noch?

Grundsätzlich ja — aber mit klaren Bedingungen, die für viele berufsbegleitend Studierende nicht erfüllbar sind.

BAföG im Fernstudium funktioniert nur, wenn vier Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sind: Es muss sich um ein Erststudium handeln, die Hochschule muss staatlich anerkannt sein (die FernUni Hagen erfüllt das, private Fernhochschulen je nach Anerkennung auch), du darfst nicht älter als 45 Jahre alt sein, und — das ist der entscheidende Punkt — du musst in Vollzeit studieren. Ein Nebenjob ist nur bis zur Minijob-Grenze erlaubt.

Das bedeutet: Wer neben einem Vollzeitjob studiert, bekommt kein BAföG. Punkt. Das trifft auf die meisten Menschen zu, die sich für ein berufsbegleitendes Fernstudium entscheiden.

Wer die Bedingungen erfüllt: Das BAföG ist ein Studienkredit, von dem du nur die Hälfte zurückzahlen musst — und das erst fünf Jahre nach Studienende in Raten. Es lohnt sich also auf jeden Fall, einen Antrag zu stellen, wenn du die Voraussetzungen erfüllst.

Einen vollständigen Überblick über alle staatlichen Fördermöglichkeiten findest du im Artikel Berufsbegleitendes Studium finanzieren: Die besten Möglichkeiten.


2. Arbeitgeber: Der unterschätzte Hebel

Dein Arbeitgeber profitiert von deiner Weiterqualifikation. Und viele Unternehmen haben Budgets für genau das — die nur nicht aktiv kommuniziert werden. Was Arbeitgeber übernehmen können: die Studiengebühren komplett oder teilweise, Bildungsurlaub (bis zu fünf Tage pro Jahr, je nach Bundesland gesetzlich verankert), oder flexible Arbeitszeiten während der Prüfungsphasen.

Der Haken: Du musst meistens unterschreiben, dass du nach dem Abschluss für eine bestimmte Zeit im Unternehmen bleibst — in der Regel ein bis drei Jahre. Das ist ein fairer Deal, wenn du ohnehin nicht wechseln willst. Wenn du planst, nach dem Studium direkt weiterzuziehen, ist diese Klausel allerdings ein Problem.

Wie du das Gespräch mit dem Arbeitgeber konkret vorbereitest, welche Argumente überzeugen und was in einer Rückzahlungsklausel stehen darf und was nicht — das erkläre ich ausführlich im Artikel Arbeitgeber zahlt dein Studium: So bekommst du Förderung von deiner Firma.


3. Steuerliche Absetzbarkeit: Geld zurück vom Finanzamt

Die Grundregel: Wer bereits berufstätig ist und ein Zweitstudium oder eine Weiterbildung absolviert, kann die Studienkosten als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend machen — vollständig, ohne Obergrenze. Das gilt für die meisten Menschen, die berufsbegleitend studieren.

Was du absetzen kannst: Studiengebühren und Semesterbeiträge, Fachbücher und Lernmaterialien, anteilige Kosten für Laptop und technische Ausrüstung, Prüfungsreisekosten (Fahrt und Übernachtung), Nachhilfe und Tutorien, und unter Umständen anteilige Heimarbeitsplatzkosten.

Ein konkretes Beispiel: Wer jährlich 3.600 Euro Studiengebühren zahlt, dazu 400 Euro für Bücher und 200 Euro für Prüfungsreisen, kann 4.200 Euro als Werbungskosten angeben. Bei einem Steuersatz von 30 Prozent ergibt das eine Steuerersparnis von rund 1.260 Euro im Jahr — also mehr als einen Monatsbeitrag bei einer privaten Fernhochschule.

Wichtig: Steuerliche Regeln sind individuell und ändern sich. Ich bin keine Steuerberaterin — für verbindliche Auskunft empfehle ich das Gespräch mit einem Steuerberater oder dem Finanzamt. Aber schon ein kurzes Gespräch lohnt sich fast immer.


4. Stipendien: Seltener als gedacht, aber möglich

Die Auswahl an Stipendien für berufsbegleitend Studierende ist kleiner als für Vollzeitstudenten — aber es gibt sie.

Das bekannteste ist das Deutschlandstipendium: 300 Euro pro Monat, einkommensunabhängig, vergeben an besonders leistungsstarke oder sozial engagierte Studierende. Viele private Fernhochschulen haben außerdem eigene Förderungsprogramme — es lohnt sich, dort direkt nachzufragen.

Für Studierende unter 30, die ihr erstes Studium absolvieren, kommen außerdem parteinahe Stiftungen wie die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Hans-Böckler-Stiftung oder die Konrad-Adenauer-Stiftung in Frage. Einen guten Einstieg für die Recherche bietet mystipendium.de.

Ehrliche Einschätzung: Stipendien sind möglich, aber kein verlässlicher Finanzierungsweg — sie erfordern Bewerbungsaufwand und sind nicht garantiert. Als Ergänzung zu anderen Finanzierungsquellen sinnvoll, als alleinige Strategie riskant.


5. Studienkredite: Wenn BAföG nicht geht

Wer keinen Anspruch auf BAföG hat, kann auf Studienkredite zurückgreifen. Die wichtigsten Optionen:

Der KfW-Studienkredit ist die bekannteste Alternative: Altersgrenze 45 Jahre, bis zu 650 Euro monatlich, vergleichsweise wenige Bedingungen. Er muss vollständig zurückgezahlt werden — aber zu niedrigen Zinsen und mit flexiblem Tilgungsbeginn.

Bildungsfonds funktionieren anders: Die Rückzahlung richtet sich nach deinem späteren Einkommen. Je mehr du verdienst, desto mehr zahlst du zurück — aber du kannst nie überschuldet werden. Das macht diese Option besonders für Menschen attraktiv, die noch nicht wissen, in welche Richtung sich ihre Karriere entwickelt.

Einen umfassenden Vergleich aller verfügbaren Studienkredite bietet der CHE Studienkredit-Test.

Meine persönliche Empfehlung: Kredite nur aufnehmen, wenn du weißt, wie du sie zurückzahlst. Ein Fernstudium ist eine Investition — aber eine Investition mit Schulden macht nur Sinn, wenn der Ertrag (Gehaltssteigerung, Karrierewechsel, mehr Sicherheit) die Kosten klar überwiegt.


6. Agentur für Arbeit und Jobcenter

Diese Option wird oft übersehen — vor allem von Menschen, die sich nicht in einer klassischen Arbeitslosen-Situation befinden.

Aber auch Berufstätige, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind oder sich gezielt weiterqualifizieren wollen, können Förderung beantragen. Konkret gibt es Bildungsgutscheine für Personen, die ihren Job zu verlieren drohen und sich durch ein Fernstudium neu positionieren wollen. Für Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung oder besondere Lebenssituationen gibt es weitere Sonderprogramme.

Es lohnt sich, einmal persönlich bei der Agentur für Arbeit vorstellig zu werden und die eigene Situation schildern zu lassen — oft kennt man selbst nicht alle Möglichkeiten, die einem theoretisch offenstehen.


7. Ersparnisse und Teilzeit: Die stille Mehrheit

Die meisten berufsbegleitend Studierenden finanzieren ihr Studium größtenteils selbst — aus Ersparnissen, aus dem laufenden Gehalt, oder indem sie die Stunden reduzieren und dafür mehr Zeit für das Studium gewinnen. Wer ein Fernstudium an einer privaten Hochschule beginnt, zahlt monatlich 200 bis 600 Euro über mehrere Jahre. Das muss einkalkuliert sein — im Budget, in der Lebensplanung, im Puffer für unvorhergesehene Dinge.

Was dabei hilft: ein klares Bild der eigenen Finanzsituation, realistisches Budgetieren, und — das klingt erstaunlich psychologisch, ist es aber — ein Verständnis für die eigenen Denkmuster rund ums Geld. Warum geben wir mehr aus, als wir planen? Warum schieben wir Rücklagen auf? Das Buch (es folgt ein Affiliate-Link) „Über die Psychologie des Geldes“ beantwortet diese Fragen auf eine Art, die ich als Psychologiestudentin besonders schätze.

Und wenn du mehr Struktur im Umgang mit Geld suchst: Ramit Sethis Klassiker „Ich zeige dir, wie du reich wirst“ (ebenfalls ein Affiliate-Link) ist praxisorientiert und ohne Buzzword-Bingo — gerade für Menschen, die ihre eigene Finanzierung stemmen.


8. Notfalloptionen: Wenn es eng wird

Manchmal läuft es nicht nach Plan. Das Studium dauert länger. Ein unerwarteter Kostenblock taucht auf. Das Ersparte reicht nicht bis zum Ende.

In diesen Situationen gibt es noch ein paar Optionen, die dir offenstehen.

Studienabschluss- oder Überbrückungsdarlehen der lokalen studentischen Darlehenskasse oder des Studentenwerks — kurzfristige Hilfe für Menschen kurz vor dem Abschluss.

Wohngeld kann unter bestimmten Voraussetzungen beantragt werden — vor allem wenn kein BAföG mehr fließt und die eigenen Mittel knapp sind.

Wichtig zu wissen: Bürgergeld und Sozialhilfe sind für Vollzeitstudierende in der Regel nicht möglich. Es gibt jedoch Ausnahmen für Teilzeitstudierende, Alleinerziehende, werdende Mütter und Menschen mit medizinisch bedingtem Mehraufwand.


Die ehrliche Einschätzung: Was wirklich funktioniert

Wenn ich ehrlich bin, dann sieht die Realität für die meisten berufsbegleitend Studierenden so aus: BAföG fällt wegen des Jobs weg. Stipendien sind möglich, aber nicht planbar. Kredite sind eine Last, die man lieber vermeidet. Was bleibt, sind die drei verlässlichen Hebel:

Erstens der Arbeitgeber — der am häufigsten unterschätzte und am seltensten gefragte. Wenn das Studium auch nur ansatzweise mit dem Job zusammenhängt, lohnt es sich, das Gespräch zu suchen. Im schlimmsten Fall heißt es Nein.

Zweitens die Steuer — kein glamouröser Tipp, aber ein verlässlicher. Wer konsequent alle absetzbaren Posten auflistet, holt sich im Schnitt mehrere Hundert bis über tausend Euro im Jahr zurück.

Drittens die eigene Finanzplanung — nicht als letzter Ausweg, sondern als aktive Entscheidung. Wer weiß, was das Studium kostet, und vorausschauend plant, ist in einer deutlich besseren Position als jemand, der einfach anfängt und hofft, dass es irgendwie klappt.

Die Kombination aus diesen drei Wegen trägt die meisten Menschen durch ein berufsbegleitendes Fernstudium — ohne Schulden, ohne große Abhängigkeit, und mit einem Abschluss am Ende, der die Investition wert war.

Wenn du noch am Anfang der Entscheidung stehst und dir nicht sicher bist, welches Studium überhaupt zu dir passt, empfehle ich dir meinen großen Ratgeber zum Psychologiestudium — dort findest du einen vollständigen Überblick über alle Studienformen, Anbieter und Karrierewege.


FAQ

Kann ich als Berufstätige BAföG für mein Fernstudium bekommen? In den meisten Fällen nein — BAföG setzt voraus, dass du nicht neben dem Studium in Vollzeit oder Teilzeit arbeitest. Nur ein Minijob ist erlaubt. Wer berufsbegleitend studiert, erfüllt diese Bedingung meist nicht. Eine Ausnahme wäre, wenn du dein Studium in Vollzeit und ohne Job absolvierst.

Was kann ich vom Fernstudium steuerlich absetzen? Als Werbungskosten absetzbar sind Studiengebühren, Semesterbeiträge, Fachbücher, anteilige Laptop- und Technikkosten, Prüfungsreisekosten sowie Nachhilfe. Das gilt bei einem Zweitstudium oder einer Weiterbildung — also für die meisten berufsbegleitend Studierenden. Für das Erststudium gilt eine Obergrenze von 6.000 Euro als Sonderausgaben.

Lohnt es sich, den Arbeitgeber nach einer Kostenübernahme zu fragen? Ja — definitiv. Viele Unternehmen haben Budgets für Weiterbildung, die aktiv genutzt werden wollen. Das Gespräch kostet nichts. Im schlimmsten Fall bekommst du ein Nein, im besten Fall übernimmt dein Arbeitgeber einen Teil oder die gesamten Studiengebühren.

Was ist der Unterschied zwischen einem Studienkredit und einem Bildungsfonds? Ein Studienkredit (z.B. KfW) wird zu festen Konditionen ausgezahlt und muss vollständig zurückgezahlt werden — unabhängig davon, was du später verdienst. Bei einem Bildungsfonds richtet sich die Rückzahlung nach deinem späteren Einkommen. Das macht Bildungsfonds für Menschen attraktiv, die noch keine klaren Karrierepläne haben.

Gibt es Stipendien speziell für das Fernstudium? Ja, aber die Auswahl ist begrenzt. Das Deutschlandstipendium (300 Euro/Monat, einkommensunabhängig) ist theoretisch auch für Fernstudierende zugänglich. Viele private Fernhochschulen haben eigene Förderprogramme — es lohnt sich, direkt nachzufragen. Die Suchmaschine mystipendium.de gibt einen guten Überblick.


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