„Ich wollte eigentlich immer Psychologie studieren, aber …” Diesen Satz höre ich so oft, wenn andere von meinem Studium erfahren. Und dann folgen meist diverse Gründe, warum es doch nicht möglich ist oder war. Der Job, die sichere Lebenssituation, der Abischnitt, das Geld, die Kinder, etc., etc. etc. Und irgendwann im Leben kommt dann der Punkt, an dem man sich fragt, ob es nicht ohnehin schon viel zu spät und man nicht eigentlich schon viel zu alt ist.
Wenn du mich fragst? Die kurze Antwort: Nein. Die etwas längere Antwort – die findest du in diesem Artikel.
Als jemand, der selbst den Schritt gewagt hat, mit über 30 noch ein Psychologiestudium anzufangen, weiß ich: Ein Quereinstieg in die Psychologie ist möglich. Es ist natürlich kein Spaziergang und ist vielleicht anders, als du es dir vorstellst. Ich erkläre dir, welche Wege es gibt, was du realistisch erwarten kannst und worauf du unbedingt achten solltest, um nicht unvollender Dinge wieder abzubrechen.
Was bedeutet „Quereinstieg Psychologie” eigentlich?
Zunächst eine wichtige Klarstellung: „Quereinstieg Psychologie” kann verschiedene Dinge bedeuten – je nachdem, was du dir darunter vorstellst.
Option 1: Du hast bisher nichts mit Psychologie zu tun gehabt und möchtest jetzt Psychologie studieren. Das ist kein klassischer „Quereinstieg” im arbeitsrechtlichen Sinn, sondern ein Umsatteln auf ein neues Studienfach. Dieser Weg führt über ein reguläres Psychologiestudium – berufsbegleitend, per Fernstudium oder im Präsenzformat.
Option 2: Du arbeitest bereits in einem psychologienahen Bereich – etwa in der Sozialarbeit, im Coaching oder in der Pflege – und möchtest eine formale psychologische Ausbildung ergänzen, um bessere Karrierechancen zu haben oder bestimmte Berufsfelder zu erschließen.
Option 3: Du möchtest psychotherapeutisch arbeiten, ohne den klassischen langen Bildungsweg über Abitur → Psychologiestudium → Weiterbildung zu gehen.
Je nachdem, welche Option für dich zutrifft, sehen die Möglichkeiten sehr unterschiedlich aus. Wenn du im Bachelor studierst, ist es außerdem wichtig, zu entscheiden, ob du noch einen Master weitermachen möchtest (besonders beim Fernstudium). Schauen wir uns alle drei etwas genauer an. Aber vorerst möchte ich dir noch ein Buch empfehlen (es folgt ein Affiliate-Link), in dem du einen Überblick über verschiedene mögliche psychologische Arbeitsfelder bekommst: „Psychologie in Studium und Beruf: Welche Berufsfelder es zu entdecken gibt und was für eine erfüllte Karriere wichtig ist“ von Mendius und Werther. Dieses Buch kann dir helfen, deine Wahl besser einzuschränken und dir klarer darüber zu werden, wo genau du beruflich hin möchtest.
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Die gute Nachricht zuerst: Ein Einstieg ins Psychologiestudium ist in jedem Alter möglich. Es gibt keine Altersgrenze – auch wenn das manchmal so wirkt, wenn man sich die durchschnittlichen Erstimmatrikulierten anschaut.
Wenn du bereits einen Job hast und finanziell nicht auf ein Vollzeitstudium umsteigen kannst oder willst, ist ein berufsbegleitendes Studium oder ein Fernstudium der naheliegende Weg. Ich selbst habe an der Fernuni Hagen studiert, bevor ich an eine Präsenzuni gewechselt bin und kann aus eigener Erfahrung sagen: Dieser Weg ist anspruchsvoll, aber absolut machbar.
Was du für ein Psychologiestudium in der Regel brauchst:
- Abitur oder Fachhochschulreife (an einigen Hochschulen reicht auch eine berufliche Qualifikation – mehr dazu in meinem Artikel zum Psychologiestudium ohne Abitur)
- Ausdauer, Selbstorganisation und die Bereitschaft, mehrere Jahre lang durchzuhalten
- Ein realistisches Bild davon, was dich erwartet – denn die Kombination aus Job, Studium und Privatleben fordert wirklich viel von dir
Quereinstieg Psychologie ohne Abitur: Der Weg über Meister & Fachwirt
Du hast kein Abitur – aber einen Meisterabschluss, einen staatlich geprüften Fachwirt oder einen Techniker? Dann hast du in vielen Bundesländern die volle Hochschulzugangsberechtigung. Das bedeutet: Du kannst Psychologie studieren – genauso wie jemand mit Abitur.
Konkret gilt: Wer eine Meisterprüfung, einen Fachwirt (IHK/HWK) oder einen staatlich geprüften Techniker abgeschlossen hat, erhält in den meisten Bundesländern die allgemeine Hochschulreife – unabhängig davon, ob das Fachgebiet etwas mit Psychologie zu tun hat. Du musst also nicht extra eine psychologienahe Ausbildung vorweisen.
Besonders interessant: An der Fernuni Hagen und verschiedenen Privathochschulen kannst du über diesen Weg direkt einsteigen – berufsbegleitend, ohne Präsenzpflicht.Gerade für Berufstätige mit handwerklichem oder kaufmännischem Hintergrund ist das ein echtes Sprungbrett.
Wichtig zu wissen: Wenn dein Ziel die Approbation als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut ist, solltest du vorab prüfen, ob der jeweilige Studiengang die notwendigen klinischen Inhalte abdeckt.
Weg 2: Berufliche Weiterentwicklung ohne klassisches Vollstudium
Vielleicht willst du gar nicht unbedingt einen vollständigen Psychologieabschluss, sondern deine bestehende Arbeit in einem psychologienahen Bereich durch fundiertes Wissen ergänzen. Auch dafür gibt es Möglichkeiten:
Zertifikatskurse und Weiterbildungen bieten inzwischen viele Fernhochschulen und private Anbieter an. Es gibt sie in Bereichen wie Coaching, Organisationspsychologie, Personalentwicklung oder systemische Beratung. Diese sind kürzer, günstiger und oft direkt auf die Praxis ausgerichtet.
Ein Bachelor in einem verwandten Fach – wie Soziale Arbeit, Pädagogik oder Wirtschaftspsychologie – kann ebenfalls ein sinnvoller Einstiegspunkt sein, wenn du berufsbegleitend studieren möchtest und später in psychologienahen Feldern arbeiten willst.
Achtung: Wenn dein Ziel ist, irgendwann als Psychologin oder Psychologe zu arbeiten, also mit dem geschützten Berufstitel, führt kein Weg am vollständigen Studium vorbei. Zertifikate und Weiterbildungen berechtigen nicht zur Führung des Titels.
Weg 3: Psychotherapeutisch arbeiten – was ist noch möglich?
Dieser Wunsch steckt bei sehr vielen Quereinsteigern dahinter. Auch mich treibt er an. Aber hier muss ich ehrlich mit dir sein: Seit der Reform des Psychotherapeutengesetzes 2020 ist der Weg zur approbierten Psychotherapeutin deutlich enger definiert als vorher – und er beginnt zwingend mit dem richtigen Studium.
Was das konkret bedeutet, welche Wege es gibt und worauf du bei der Studienwahl achten musst, habe ich ausführlich in einem eigenen Artikel beschrieben: [Psychotherapeut/in werden: Was mir niemand vorher gesagt hat →]
Das Wichtigste vorab: Es gibt auch Wege, psychotherapeutisch-ähnlich zu arbeiten, ohne Approbation – etwa als Heilpraktiker/in für Psychotherapie oder im Coaching. Auch dazu findest du im verlinkten Artikel alle Details.
Was dich als Quereinsteiger/in wirklich erwartet – meine ehrliche Einschätzung
Ich will nicht beschönigen, was ein Quereinstieg in die Psychologie bedeutet. Es ist bereichernd, herausfordernd und manchmal auch frustrierend – oft alles auf einmal. Im Psychologiestudium habe ich schon viel über mich selbst gelernt – ich musste aber auch viel opfern dafür. Hauptsächlich Zeit mit Freunden und für Hobbies. Berufsbegleitend zu studieren ist ein bisschen so wie ein Hobby, dass derart ausgeartet ist, dass es deine gesamte Freizeit fressen wird.
Was dafür spricht: Du bringst Lebenserfahrung mit, die frische Abiturientinnen und Abiturienten schlicht nicht haben. Deine Berufspraxis gibt dir einen anderen Blick auf die Theorie. Du weißt, warum du das studierst und das ist in Momenten der Erschöpfung unbezahlbar.
Wenn du deine Lernroutine langfristig stabil halten willst, kann ich dir Atomic Habits von James Clear (ebenfalls ein Affiliate-Link) wärmstens empfehlen – das Buch hat mir persönlich sehr geholfen, dranzubleiben, auch wenn der Alltag voll war. Du lernst in diesem Buch, dass es nicht immer die großen und langwierigen Veränderungen sein müssen. Auch kleine und kurzweilige Routinen können langfristig viel bewirken.
Was dagegen sprechen kann: Die Zeit. Wer mit 35 anfängt, berufsbegleitend zu studieren, wird vielleicht erst mit 41 oder 42 fertig. Das ist der Preis eines anderen Lebenswegs.
Außerdem: Die soziale Isolation des Fernstudiums ist real. Kein Campus, keine zufälligen Gespräche, keine Kommilitoninnen und Kommilitonen, mit denen man sich spontan trifft. Das kann einsam machen.
Für wen lohnt sich der Quereinstieg – und für wen nicht?
Nach allem, was ich selbst erlebt und von anderen Quereinsteigern gehört habe, sage ich dir ganz direkt:
Der Quereinstieg in die Psychologie lohnt sich für dich, wenn du wirklich weißt, warum du das willst. Nicht nur weil es interessant klingt, sondern weil du ein konkretes Bild davon hast, wie dein Leben danach aussehen soll. Wenn du bereit bist, mehrere Jahre lang Kompromisse zu machen. Und wenn du die Selbstdisziplin mitbringst, auch dann zu lernen, wenn der Alltag längst ausreichend voll ist.
Er lohnt sich weniger, wenn du dir noch unsicher bist, ob Psychologie wirklich dein Weg ist. In dem Fall würde ich empfehlen, zunächst mit einzelnen Modulen oder einem Schnupperstudium zu beginnen, bevor du dich für mehrere Jahre verpflichtest.
Fazit: Es ist nie zu spät – aber sei ehrlich mit dir
Der Quereinstieg in die Psychologie ist möglich. Mit 30, mit 40 und auch mit 50. Aber er erfordert Klarheit darüber, was du willst, Geduld für einen langen Weg und die Bereitschaft, deinen Alltag für eine Weile grundlegend umzustrukturieren.
Wenn du das mitbringst – dann trau dich. Es gibt wenige Entscheidungen, die ich in meinem Leben so bewusst getroffen habe wie diese.
Du bist gerade dabei, dich für das Studium zu entscheiden? Dann schau mal in meinen großen Studiums-Ratgeber rein! Hier erfährst du mehr zu verschiedenen Anbietern, Finanzierungsmöglichkeiten und Infos rund ums Psychologie-Studium – berufsbegleitend, Fernstudium oder Vollzeit.
FAQ: Häufige Fragen zum Quereinstieg Psychologie
Was bedeutet Quereinstieg Psychologie? Ein Quereinstieg in die Psychologie bedeutet, dass du ohne klassischen Bildungsweg in das Fach einsteigst – also nicht direkt nach dem Abitur, sondern aus dem Berufsleben heraus. Das kann über ein berufsbegleitendes Studium, ein Fernstudium oder eine berufliche Qualifikation wie einen Meisterabschluss oder Fachwirt geschehen.
Kann man mit 30, 40 oder 50 noch Psychologie studieren? Ja. Es gibt keine Altersgrenze für ein Psychologiestudium. Besonders berufsbegleitende Studiengänge und Fernstudien sind auf Berufstätige ausgerichtet und ermöglichen den Einstieg in jedem Lebensabschnitt.
Kann ich Psychologie ohne Abitur studieren? Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Wer eine Meisterprüfung, einen Fachwirt oder einen staatlich geprüften Techniker abgeschlossen hat, erhält in den meisten Bundesländern die Hochschulzugangsberechtigung. Auch über berufliche Qualifikationen in psychologienahen Berufen ist ein Einstieg möglich.
Ist ein Quereinstieg als Psychotherapeut/in möglich? Seit der Reform des Psychotherapeutengesetzes 2020 ist der Weg zur Approbation klar geregelt und erfordert ein Masterstudium der Psychologie mit klinischem Schwerpunkt. Ein direkter Quereinstieg ohne diesen Bildungsweg ist für die Approbation nicht möglich. Es gibt jedoch alternative Berufsfelder wie Heilpraktiker für Psychotherapie oder systemisches Coaching.
Stehst du gerade an diesem Punkt? Überlegst du, ob ein Quereinstieg in die Psychologie für dich infrage kommt? Dann schreib mir gerne in die Kommentare – ich freue mich auf den Austausch! Und wenn du keinen neuen Beitrag verpassen möchtest, trag dich gerne in meinen Newsletter ein.
Du findest meine Inhalte interessant, möchtest dich aber nicht durch jeden Blogeintrag einzeln klicken? Dann schau dir mal mein Buch an. Hier findest du alle wichtigen Infos zum berufsbegleitenden Psychologiestudium kompakt zusammengefasst.
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